Die Kugel des Berliner Fernsehturms
Schmal oder breit, futuristisch oder klassisch, in mannigfaltigen Designs thronen sie über den Metropolen aller fünf Kontinente – die Rundfunk- und Fernsehtürme dieser Welt. Oftmals als architektonische Meisterleistungen sind sie, vielfach über ihren technischen Zweck hinaus, zu beliebten Wahrzeichen ihrer Städte avanciert. Auch der Berliner Fernsehturm, mit seiner charakteristischen Kugelform, zählt längst zu den beliebtesten Foto- und Postkartenmotiven der Bundeshauptstadt. Doch wer kennt die Hintergründe, weshalb sich die Architekten des Berliner Fernsehturmes für genau dieses geometrische Design einer Kugel entschieden haben?
Ein 360°-Panorama lässt sich schließlich auch in einem Kreiszylinder oder einem umgedrehten Kegelstumpf, der häufigsten Form des sogenannten Turmkorbes, genießen. Dies kann also nicht der alleinige Grund für die Wahl gewesen sein.
Um die genauen Hintergründe zu verstehen, muss in diesem Fall die der historisch-politische Kontext des damaligen Ost-West-Konfliktes herangezogen werden.
Sputnik als Idol
Neben dem militärischen Rüstungswettlauf gab es nämlich auch ein kulturelles und technologisches Wettrüsten zwischen den Westmächten und dem Ostblock. Ein wichtiges und auch sehr bekanntes Kapitel im Kampf um die technologische Vormachtstellung stellte der sogenannte Wettlauf ins All dar. Bereits am 4. Oktober 1954 gelang es der Sowjetunion, den ersten künstlichen Satelliten in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Diese Aluminiumkugel von 58 cm Durchmesser, ausgestattet mit zwei Funksendern, ging unter dem Namen Sputnik in die Geschichte ein und ist wohl nicht nur Möchtegern-Astronauten bekannt.
Da das geteilte Berlin damals im Fokus der Weltöffentlichkeit stand, ging es bei dem Bau des Fernsehturms nicht einfach um die Errichtung einer Sendeanlage für Bild und Tonsignale. Vielmehr sollte ein Prestigegebäude geschaffen werden, das die technologische Überlegenheit des Ostblocks zu symbolisieren vermochte. Was lag da also näher, als das Design des Turmes am Sputnik, dem Inbegriff Sowjetischer Hochtechnologie, auszurichten?
Bau der Kugel

Und so wurde dann auch im August 1965 mit den Bauarbeiten für den Fernsehturm begonnen. Das Stahlskelett der späteren Kugel wurde vorerst am Boden zusammengebaut (s. Abbildung oben), danach montiert und mit rostfreien Stahlplatten ausgelegt, die nicht zuletzt die „Rache des Papstes“ zur Folge hatten. Sah der ursprüngliche Entwurf des Architekten noch vor, die Kugel in sozialistischem Rot zu beleuchten, wurde dieser Plan noch vor Baubeginn wieder verworfen. Doch auch ohne farbige Lichtbestrahlung bezaubert der Fernsehturm mit seiner Kugel jeden Abend tausende von Menschen. Und wer trotzdem gerne den Turm in bunter Illumination genießen möchte, dem sei das jährlich im Oktober stattfindende Festival of Lights wärmstens an Herz gelegt.
